Große Erwartungen verbinden sich mit der neuen intelligenten Suchmaschine Wolfram alpha, die gestern Nacht gestartet ist. Das neue Suchkonzept, das versucht Antworten zu liefern, steht in dem Verdacht Google den Rang ablaufen zu können.
Der Start verlief etwas holprig, verfolgt von einigen 1000 Interessenten auf Twitter zeigten sich diverse technische Pannen. Nun scheint es aber zu laufen, und das große Testen rund um die Welt beginnt.
Die ersten Reaktionen sind durchaus positiv bis glücklich:Fangen wir mit dem Test unserer Bundeskanzlerin Frau Merkel an, der positiv mit sinnigen Daten ablief. Auch Homofaber war mit seinen Ergebnissen zufrieden, ebenso wie der Blogger tobiaskoelligan.de.
Interessant der Hinweis, daß Wolfram alpha auch Daten zu Websites ausspuckt.
Eine etwas spezialisiertere Suche aus dem Bereich Astronomie zeigte dagegen schon eher zwiespätlige Ergebnisse. Auch andere Kommentare zeigen sich unschlüssig.
Also haben wir selbst mal ein bischen gespielt, bis uns der Server rausschmiss.
Standardsuche funktioniert
An dieser Stelle wollen wir uns nur kurz aufhalten, die bereits zitierten Blogs haben hier schon eine ganze Menge gute Beispiele geliefert, was mit Wolfram alpha angestellt werden kann. Auch die eigenen Tests lieferten hier durchweg die erwarteten Ergebnisse.
Die Suche nach einem Land wie Schweden (natürlich in Englisch geschrieben) liefert sofort eine Karte und die wichtigsten Zahlen und Fakten. Könnte man natürlich auch Wikipedia aufrufen. Aber bequemer und auch übersichtlicher ist es natürlich, und wenn man dann zwei Länder vergleichen möchte, sich an Wolfram alpha zuwenden. Also hier an dieser Stelle scheint das Lob berechtigt.
Wolfram im Bereich Medizin
Aber aber da wir uns mit dem Thema Medizin und Gesundheit beschäftigen, haben wir uns auch dort einmal versucht.
Erster Versuch: Akne
Akne ist eine Hauterkrankung, die sich vor allem bei Teenagern bemerkbar macht, und dort das Gesicht mit hässlichen Pusteln übersehen kann. Geben wir das Wort Akne (auf Englisch) einmal ein.
Die Maschine antwortete schnell, kurz und bündig. Sie gibt zurück
- die Definition,
- Wortherkunft,
- Aussprache
- ähnliche Ausdrücke und
- Unterbegriffe
Versucht man auf diese zu klicken stellt sich heraus, dass es sich nicht um Links handelt, sondern sie müssen manuell in eine neue Suche kopiert werden. Einfach lästig.
Weitere Versuche mit den Stichwörtern Akne Patienten, Aknebehandlung und Aknetherapie enden mit der Antwort, dass Wolfram alpha nicht weiß was ich damit machen soll.
Zweiter Versuch: Psoriasis
Auch die Psoriasis ist eine Hauterkrankung, bekannt auch unter dem Begriff Schuppenflechte, die Millionen von Menschen betrifft.
Also erneut der Versuch mit dem Begriff Psoriasis, die Maschine antwortete ähnlich wie zuvor mit der Definition und weiteren verwandten Begriffen.
Suche nach Therapie, Handlung, Patienten und so weiter versteht die Maschine wie beim ersten Beispiel gar nicht.
Dritter Versuch: Menopause
um es kurz zu machen: gleiches Ergebnis
Vierter Versuch: Warzen
Auch hier wieder mit Warzen eine Krankheit, die ein Großteil der Bevölkerung am eigenen Leibe erlebt, und die sicherlich ein spannendes Thema für die Suche im Internet ist. Warzen sind anhänglich, ansteckend und gar nicht so einfach zu behandeln.
Hier nun der vollkommene Frust: Den englischen Begriff “wharts” für Warzen kennt Wolfram alpha erst gar nicht.
Zumindest in der Medizin: Fragen ja, Antworten nein
Natürlich tritt Wolfram alpha mit dem Anspruch an, Daten und Fakten zu sammeln und zu vergleichen. Nun sind aber gerade auch im medizinischen Bereich jede Menge Daten und Fakten zu den Krankheiten vorhanden. Patientenzahl, Behandlungskosten, Versicherungsfälle… Jede Menge Material, die eigentlich einfach und übersichtlich auswertbar wäre.
Man kann heute am Starttag schlichtweg festhalten, dass Wolfram alpha sich dem Gebiet der Medizin offensichtlich noch nicht angenähert hat. Ist vielleicht auch ein bisschen viel für einen Mathematiker verlangt, aber eigentlich sehr schade.
Der Grundgedanke könnte hier sicherlich in eleganter Form umgesetzt werden. Medizinische Informationsquellen gibt es im Überfluss, und hier die wesentlichen Eckdaten zu aggregieren wäre sicherlich sinnvoller, als die bei Google den User mit einer Vielzahl von mehr oder weniger sinnhaften Links zu überfrachten.
Die übersichtliche Darstellung von Wolfram alpha wäre sicherlich auch eine Hilfe, gerade im Vergleich zur Wikipedia, die immer mehr das Volumen eines Lexikons annimmt, und sich in medizinischer Terminologie zunehmend dem normalen Menschen entzieht.
Im Moment kann man also nur festhalten, dass es hier noch eine Menge zu tun gibt. Warten wir ab, ob Wolfram alpha es gelingen wird, diese Lücke zu schließen, und so auch den Bereich der Medizin um eine Suchalternative zu bereichern. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall.